Protestaktion der Reeperbahn – Wirte auf Deutschlands bekanntester Amüsiermeile

Seit der Corona – Krise herrscht auf der Reeperbahn bedrückende Stille. Nun wollen Gastronomen, Wirte und Clubbetreiber mit einer Demo auf ihre Situation aufmerksam machen. 

Von jeh her sind die Macher vom Kiez harte Bandagen gewohnt, doch gegen die aktuelle Situation sind selbst sie machtlos.

Nur noch vereinzelt schlendern Besucher über die Reeperbahn. Einzig die Supermärkte und Imbiss- Buden bringen ein wenig Bewegung in den sonst sehr tristen Alltag auf der Amüsiermeile.

Dort wo sich sonst die Menschenmassen dich an dicht durch die Straßen drängten, die Beats aus den Clubs dröhnten und Korberer um jeden Gast buhlten, herrscht gähnende Leere. Viele der Wirte und Clubs bangen jetzt um ihre Existenz. Wissen nicht wie es weiter gehen soll, während in anderen Bundesländern schon in wenigen Tagen wieder Restaurants eröffnen dürfen.

Wir möchten mit unserer Aktion nicht anklagen, sondern ein starkes Bild senden: Leben ist nicht nur das Gegenteil von Tod. Zum Leben gehört mehr, als nur am Leben zu sein. Es geht auch darum, ein lebenswertes Leben zu haben, um Existenzen, die sich Menschen aufgebaut haben und deren Lebenswerke jetzt bedroht sind.”, erklärt Olivia Jones. “So wie hier auf St. Pauli geht es gerade Bars und Clubs in ganz Deutschland. Und nicht alle haben die Möglichkeit, so prominent wie wir auf sich aufmerksam zu machen. Auch denen möchten wir mit unserer Aktion eine Stimme geben.

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Die Große Freiheit wird wieder zum Leben erweckt! 

Die Leuchtreklamen gehen an, Musik, Momente der Hoffnung. Doch kurze Zeit später ändert sich die Stimmung schlagartig: Auf ein Signal gehen alle Lichter aus, die Musik verstummt. Wir sehen eine große Discokugel, auf den Boden gestürzt und zerplatzt. Ein Scherbenhaufen. Symbol für zerbrochene Träume und Lebenswerke. Für die Bars, Clubs und Discotheken. Vor der Kugel wird ein Trauerkranz im Beisein von Pfarrer Karl Schultz (St. Joseph Kirche, Große Freiheit) niedergelegt. Gastronomen halten Traueranzeigen mit Namen ihrer Läden in den Händen. Es folgt eine Schweigeminute. Gespenstische Stille.

GESPRÄCH MIT HAMBURGS ERSTEM BÜRGERMEISTER LÄSST HOFFEN

Ihre Positionen hatte Jones am Samstag auch in einem richtungsweisenden Livestream mit Yared Dibaba (NDR Moderator und Betreiber des Clubs “Uwe” am Spielbudenplatz) und Hamburgs erstem Bürgermeister Peter Tschentscher vorgebracht. Tschentscher versprach daraufhin sichtlich bewegt, sich am Mittwoch im Ministerrat auch für Bars, Clubs und Kneipen stark zu machen und gab ein Bekenntnis zur Gastro-Szene – nicht nur auf St. Pauli – ab. Der sei, so Jones, nämlich “der Boden unter den Füßen weggerissen” worden. Bei vielen Gastronomen spüre sie “Verzweiflung” angesichts hoher Mieten, null Umsatz und vor allem noch keinerlei Perspektive auf Besserung.

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DIE INITIATOREN: 50 KIEZ-INSTITUTIONEN

Zu den Initiatoren der Aktion am Donnerstag zählen nicht nur Gastronomen der Großen Freiheit wie Olivia Jones, Susi Ritsch (Susis Show Bar), die Betreiber des Dollhouse oder der Großen Freiheit 36, sondern auch Club- und Barbetreiber aus ganz St. Pauli, darunter Axel Strehlitz (Alte Liebe/Wunderbar/Klubhaus), Daniel Schmidt (Elbschlosskeller/Meuterei), Dominik Großefeld (Silbersack), Oliver Borth (u. a. Hans Albers Eck, La Paloma, Molly Malone) uvm.

Wegen der auch für Versammlungen geltenden Auflagen musste die Anzahl der Teilnehmer trotz großen Interesses auf 25 Personen beschränkt werden. Die Anwesenden repräsentieren allerdings schon rund 50 namhafte Kiez-Bars, -Clubs und -Kneipen sowie die IG St. Pauli, die wiederum einen großen Teil der Kiez-Betriebe vereint.

Die Aktion soll zudem mit Unterstützung von Yared Dibabas “Kulturona”-Team und einem Ü-Wagen live über die Social Media Profile der beteiligten Gastronomen mit insgesamt mehreren hunderttausend Fans und Followern gestreamt werden – nach Einschätzung der Initiatoren die derzeit größte Aktion dieser Art in Deutschland.

Gut zu wissen:

  • Datum der Demo: Donnerstag, 07. Mai 2020
  • Uhrzeit der Demo: ab 21.30 Uhr